
Theater für junge Menschen, nicht auf der Bühne, sondern auf dem Monitor zum Mitmachen – das internationale Theaterfestival „Starke Stücke“ geht ungewohnte Wege, um sein junges Publikum zu erreichen, zu begeistern und auch mitmachen zu lassen. Digital gehen vom 4. bis 15. März etwa 30 Vorstellungen über die Bühne – teilweise kommen sie über eine große Distanz daher wie etwa die „Küchenspiele“ von Ariel Doron aus Jerusalem. Er lässt sein Publikum von acht Jahren an nicht nur beobachten, als Chefkoch wünscht er sich auch eifriges Mitmachen. Aus gutem Grund: Es gilt die Zutaten für das Online-Küchenabenteuer zum Leben zu erwecken.
Insgesamt sieben Produktionen hat das „Starke Stücke“-Team ausgewählt. Maßgaben dabei waren, dass Live-Erfahrung und Interaktion möglich sind und die Stücke damit so nah wie möglich an eine analoge Theateraufführung herankommen. „Es werden keine abgefilmten Vorstellungen übertragen, sondern Produktionen gezeigt, die von der aktiven Teilnahme des Publikums leben“, kündigt Pressereferentin Julia Wittwer an.
Das Publikum als Überraschungsgast
Entstanden sind die Inszenierungen teilweise während des ersten Lockdowns als Reaktion auf Corona. Inzwischen wurden sie auch umgearbeitet, was an den Themen zu bemerken ist: Zuhause ist ein wiederkehrendes Motiv wie etwa bei der Schildkröte. In der Zoom-Performance „Weil heute mein Geburtstag ist“ für Kinder von vier Jahren an ist sie anfangs ganz allein zuhause – sie hat glatt vergessen, jemanden zu ihrer Party einzuladen. Doch mit dem Publikum an den heimischen Schirmen gib es allerlei Überraschungsgäste.
Manch Überraschung werden die Zusehenden auch zu Hause erleben. In der Telefon-Performance „Homewalk“ erforschen Kinder von zehn Jahren an ihre eigenen vier Wände. Sie entwickeln neue Geschichten und Perspektiven für das im Lockdown vielgesehene Land „Wohnanien“, wie es in dem Stück heißt.
Einen Klassiker in den virtuellen Raum verlegt haben die Akteure von „Enter Hamlet“. Im virtuellen Raum einer Zoom-Konferenz geht es um Isolation und Überforderung in der Familie, Phänomene, die vielen Zusehenden gewiss bekannt sein dürften. Als Theater-Spiel angelegt ist „Lockdown“. Darin haben die Teilnehmenden die Aufgabe, die Mitbewohnerin ihrer Wohngemeinschaft aufzustöbern.
Entdeckungsreise durch die Schule
Zwei Produktionen stammen aus der Rhein-Main-Region. Im „Schulausflug“ schleust das Theaterkollektiv imaginary company sein Publikum im digitalen Raum durch die fast schon vergessene Welt des Bildungssystems, die es wiederzuentdecken gilt. „Im Strudel der Stundenpläne und Pausenbrote verwirbelt sich ein Klassenzimmerstück zu einem abenteuerlichen Ausflug in unbekannte Gefilde der Schule“, heißt es in Ankündigung des ursprünglich als Audiowalk geplanten Stückes für Kinder von acht Jahren an.
Das Frankfurter TheaterGrüneSoße versucht in „Sex, Drugs, Geschichte, Ethik & Rock’n’Roll“ die Quadratur des Kreises und zeigt seinem Publikum wie ein Theaterstück in den Film übersetzt wird, ohne ein abgefilmtes Theater zu sein. Dabei sprechen die Akteure Fragen an, die junge Menschen von zwölf an aufwärts interessieren dürften wie etwa: Ist jeder Kioskbesitzer ein Dealer? Was verdienen Frauen in Deutschland? Oder warum war John Lennon oft nackt?
Zu den Stücken bietet das Team von Starke Stücke Workshops an für Schulen und Kitas. Im Boot dafür sind zwei Dutzend Theaterpädagoginnen aus dem Rhein-Main-Gebiet. Kinder ab drei Jahren sollen dabei die Gelegenheit haben, das Theaterspielen einfach mal auszuprobieren.
Karten für das Festival gibt es diesmal über ein zentrales Ticketing-System. Dabei will Starke Stücke auch Familien mit wenig Geld die Tür öffnen. „Damit alle mitmachen können, bieten wir auch kostenfreie Tickets an“, heißt es in der Ankündigung. Wer die Kultur unterstützen und anderen ermöglichen möchte, kann zwischen Preisen von 5 und 30 Euro frei wählen. Jedes Ticket ermöglicht den Zugang auf einem Endgerät, egal ob nun ein Mensch oder die Großfamilie davorsitzt.
kakü